Ihre Größe und Lage zwischen Europa und Afrika macht diese Insel zu einem außergewöhnlichen kleinen Kontinent. Vom warmen blauen Meer sind es nur zwanzig Autominuten bis in die schneebedeckten Berge. Der mobile Massentourismus hat dem Wanderer glücklicherweise das große Gebiet der Weißen Berge übrig gelassen.

Die Lefka Ori sind so unwegsam, zerklüftet, unübersichtlich und nahezu wasserlos, dass es den Sfakioten bis heute nicht gelungen ist, den wilden kretischen Steinbock auszurotten. Hohe Berge bedeuten in den Ebenen genügend Wasser. In dem subtropischen Klima gedeihen Orangen, Pampelmusen, Avocados, Weintrauben, Feigen, Bananen und Oliven.

Die bunten Märkte präsentieren für den Koch das volle mediterrane Programm. Dazu kommen der frische Fisch aus dem nahen Meer und das Kräuterlamm aus den Bergen. Die Esskultur in den Tavernen Chanias und an der Südküste hat einen hohen Standard. Berühmt und nur in Kreta zu haben sind Kalitsounies (Käsepasteten), Boureki ton Chanion (Zucchinipastete) und die heißen Sfakiani Pittes der Hirten (mit Weichkäse gefüllte Pfannkuchen), auf denen der köstliche Berghonig immer schnell verläuft.

Die vielen Klimastufen bis 2500 Höhenmeter schufen eine reichhaltige Flora. Berühmt sind die kretische Palme (Phoenix Theophrastii), der an den Straßen rot blühende Ebenholzbusch und das minoische Heilkraut Origanum Dictamus. Unterstützt wird die kretische Blütenpracht durch eingebürgerte Blütenpflanzen aus der ganzen Welt. Nirgendwo in Griechenland gibt es so viele gelb blühende, mimosenartige Akazien (die aus Australien kommen) wie an den Straßenrändern Kretas. Dass eine großartige Insel auch eine außergewöhnliche Geschichte hat ist nicht verwunderlich. Der Anfang der minoischen Kultur war auf Kreta etwa vor 5000 Jahren. Das ist zwar 7000 Jahre später als die kürzlich ausgegrabenen Kultanlagen in Anatolien, aber für europäische Verhältnisse erstaunlich.

Zum Einstimmen auf die Wanderungen empfehle ich das Buch „Wind auf Kreta“. Vor über 30 Jahren schrieb der Amerikaner David MacNeil Doren über seine Erlebnisse auf Kreta. Reizvoll dabei ist, dass er abgelegene Orte wie Pikilassos und Koustojerako beschreibt, die wir erwandern werden. Auch bei einigen Familien in Sougia, Roumeli und Agios Jannis war er zu Gast, diese werden wir auch kennenlernen.

Vor einigen tausend Jahren bildeten die Minoer Ölbäume auf ihren Vasen ab. Heute gibt es ca. 16 Millionen Olivenbäume auf der Insel. Chania hat ein Museum für Olivenölgewinnung und – einmalig in Griechenland – nebenan eine Testanlage mit neuesten Maschinen. Auf Wunsch gebe ich gerne Auskunft zu Anbau, Pressung, Qualität, Fälschung, Kontrolle und Gesundheit von Olivenöl.