Hermann Richter - Inselwandern in Griechenland | Santorin
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Santorin

Santorin, Folegandros, Ios

Die meisten Bildmotive für die Tourismuswerbung Griechenlands kommen aus Santorin. Nirgendwo findet sich eine so grandiose Kombination von weißer Kykladenarchitektur, Steilabhängen zum Meer mit dem unbeschreiblichen Licht der Ägäis. Fast täglich bietet sich dieses kostenlose Schauspiel dem Wanderer in der zweiten Tageshälfte auf dem Kraterrandweg von Fira, der Inselhauptstadt, bis zum Ende des Sonnenuntergangs nach Oia. Aus 200 m Höhe schaut man ständig in den mit 20 km³ Meerwasser gefüllten Kraterkessel. Der gesamte ringförmige Kraterrand mit den Wasserflächen aller Ringinseln ist ca. 30 km lang.

In der minoischen Zeit vor 3650 Jahren leerte sich die Caldera. Erst zu Beginn unserer Zeitrechnung, also seit 2000 Jahren, bildeten sich wieder langsam zwei Kraterinseln die begehbar sind. Man fühlt sich dem Erdinneren sehr nahe, wenn man an den dampfenden Schwefelspalten und den meterhohen, messerscharfen Lavabrocken vorbei läuft. In meinem Lieblingsbuch „ Feuer im Meer “ von W.L. Friedrich wird das alles sehr anschaulich beschrieben, von fossilen Pflanzenfunden bis zur Atlantistherorie.

Der Massentourismus auf Santorin bewegt sich zu bestimmten Zeiten in bestimmten Bahnen. Es ist relativ einfach ihn zu vermeiden. Die schneebedeckten Berge von Kreta sind nicht oft zu sehen, aber am nahen Meereshorizont schwimmen immer Milos, Folegandros, Sikinos, Ios, Amorgos und Anafi. Der mineralhaltige Boden lässt zur Freude des Wanderers im April/Mai die Farben der blauen Lupinen, der gelben Wucherblumen und des roten Klatschmohns besonders intensiv leuchten.

Von der Insel Folegandros sind meine neuseeländischen Wanderer immer besonders angetan. Die Chora ist wie ein Stück aus dem Bilderbuch, ein Postkartenmotiv reiht sich an das andere. Zwischen den zahlreichen schiefen, kleinen Kirchen kann der Tourist auf der Platia ungestört die leckeren Grillgerichte des Tavernenwirtes Kritikos oder die vegetarischen Spezialitäten der Deutschen Uta genießen. Die Fußgängerzone Chora ist tatsächlich auto- und motorradfrei, was in Griechenland normalerweise nur dort gewährleistet ist, wo hohe Treppenstufen ein Fahren unmöglich machen. Da das abgelegene, kleine Folegandros noch Feldbau praktiziert, ist die Blumenpracht im April und Mai besonders intensiv.
Die Insel Ios hat auf den zweiten Blick viel zu bieten. Sie ist groß, hat hohe Berge, kleine Bäche, tolle Strände, einen sicheren Naturhafen und eine malerische autofreie Chora. Für mich ist die gelungene Ausgrabung Skarkos (ca. 5000 Jahre alt) und das dazugehörige Museum besonders interessant. Eine gestielte Pfeilspitze (jetzt in Ios im Museum) aus Obsidian , die ich auf dem Berg Profitis Elias gefunden habe, dürfte auch aus dieser Zeit sein. Erwähnenswert ist das von dem deutschen Architekten Peter Haupt, im antiken Stil gebaute Theater, hoch über der Chora gelegen, mit grandiosem Blick in die griechische Inselwelt.
Erstes und letztes Hotel auf Santorin.